Hollywin: Ein Adventsprojekt, das Schülerinnen und Schüler zu Produktentwicklern macht

Ein konkretes Produkt statt weihnachtlicher Dekoration

Hollywin beginnt an der NMS Brüsslgasse nicht mit Bastelbögen, sondern mit einer Marktfrage: Welches Weihnachtsprodukt würden Mitschülerinnen und Mitschüler tatsächlich kaufen? Vier Kleingruppen entwickeln daraufhin Prototypen – von der wiederverwendbaren Geschenkbox bis zum Rezeptheft für regionale Adventküche. Jede Gruppe muss Kalkulation, Zielgruppe und Präsentation vorlegen. Der Kern des Projekts ist damit ein konkreter Produktentwicklungszyklus, verpackt in den Advent.

Vier Werkstattphasen, ein verbindlicher Zeitplan

Die erste Phase dient der Recherche: Die Teams befragen mindestens zwanzig Personen im Schulumfeld und notieren Einwände. In der zweiten Phase entsteht ein Pappmodell, das eine Lehrkraft und ein älterer Jahrgang testen. Die dritte Phase ist die Kalkulation; hier zählt jede Position, weil das Materialbudget pro Gruppe auf 15 Euro begrenzt ist. In der vierten Phase präsentieren die Teams ihr Ergebnis vor einer Jury aus Lehrkräften und Eltern. Jede Phase endet mit einem kurzen schriftlichen Zwischenstand, der im Klassenordner landet. Die Projektdokumentation von Hollywin hält diese Schritte als nachvollziehbares Beispiel für fächerübergreifendes Arbeiten fest.

Was die Beteiligten dabei lernen

Wirtschaftliches Denken im kleinen Maßstab

Wer 15 Euro Materialbudget hat, kann nicht jede Idee umsetzen. Die Gruppen müssen priorisieren, Preise vergleichen und entscheiden, ob ein aufwendiger Prototyp oder eine schlichte, gut erklärbare Lösung sinnvoller ist. Das Ergebnis ist keine theoretische Übung, sondern ein Modell, das im Schulhaus getestet wird. Die Testgruppe vergibt Punkte für Verständlichkeit, Preis und Alltagstauglichkeit; ein Konzept mit hoher Punktzahl, aber unklarer Kalkulation fällt dennoch durch.

Kommunikation unter Zeitdruck

Die Präsentation dauert exakt fünf Minuten. Wer zu lange bei der Produktidee bleibt, verliert die Kalkulation. Deshalb üben die Teams, Rollen zu verteilen: eine Person führt durch die Präsentation, eine erklärt die Zahlen, eine beantwortet Rückfragen. Diese Rollenverteilung wird vor der Jury nicht bewertet, sondern vorher schriftlich festgelegt – ein kleiner, aber wirksamer Unterschied. Die Jury fragt gezielt nach Materialherkunft und Entsorgung; wer diese Punkte nicht beantworten kann, verliert Punkte.

Was außerhalb des Klassenzimmers sichtbar bleibt

Die ausgestellten Prototypen bleiben mehrere Wochen im Schulhaus sichtbar. Daneben hängt eine knappe Übersicht mit Einkaufspreisen, Testurteilen und den häufigsten Einwänden aus der Befragung. Besucherinnen und Besucher erkennen dadurch, dass Hollywin nicht auf fertige Dekoration zielt, sondern auf einen nachvollziehbaren Entwicklungsprozess. Für die beteiligten Klassen wird so sichtbar, was sonst oft im Unterricht verborgen bleibt: Eine Idee wird erst dann belastbar, wenn sie getestet, kalkuliert und verständlich erklärt wurde.

Das Ergebnis: Ein Projekt mit messbarer Wirkung

Am Ende von Hollywin bleiben nicht nur Prototypen. Die Rückmeldungen aus der Testgruppe fließen in eine überarbeitete Version, und die besten drei Konzepte werden im Schulhaus ausgestellt. Für die NMS Brüsslgasse ist das Format damit mehr als ein Adventsbrauch: Es zeigt, wie ein klar begrenztes Projekt wirtschaftliche, sprachliche und gestalterische Lernziele verbindet. Wer Hollywin nachbauen will, braucht keine große Ausstattung – sondern eine klare Frage, ein knappes Budget und einen festen Präsentationstermin.

Recent Posts